Auf dem Arbeitsmarkt in Großbritannien gibt es derzeit gute und schlechte Nachrichten für Betreiber von Stellenportalen. Fangen wir mit den guten Nachrichten an.

Die Beschäftigungsquote liegt bei einem Rekordhoch. Nach Angaben des statistischen Landesamts (Office for National Statistics, ONS) stieg sie letztes Jahr auf 73,3 %, den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1971.

Auch die Anzahl der offenen Stellen kam mit mehr als 750.000 dem bisherigen Rekord nahe.

Die schlechte Nachricht ist, dass in Großbritannien ein akuter Fachkräftemangel herrscht. Warum können britische Unternehmen keine geeigneten Bewerber finden?

Chris Lawton, Senior Research Fellow am College of Business Law & Social Sciences der Nottingham Business School, vermutet, dass es sich nicht allein um eine Qualifikationslücke handelt, sondern auch um eine Qualifikationsdiskrepanz. Viele hochqualifizierte Arbeitssuchende treten Stellen an, bei denen ihre Fähigkeiten weitgehend ungenutzt bleiben.

Laut Angaben des ONS gibt es bei der Altersgruppe von 25 bis 34 den höchsten Anteil an überqualifizierten Arbeitnehmern.

„Die meisten Universitätsabsolventen finden einen Arbeitsplatz, aber aufgrund der Qualifikationsdiskrepanz bekleiden mehr als 10 % von ihnen eine Stelle, die keinen Universitätsabschluss erfordert“, erklärt Lawton. „Das reicht von ungelernter Arbeit, beispielsweise im Gastgewerbe, bis zu angelernter Arbeit, wo Universitätsabsolventen mit Lehrlingen konkurrieren.

Ihre Arbeit entspricht also nicht ihrem Bildungsstand.“

Fähigkeiten liegen brach, während die Statistiken einen Fachkräftemangel ausweisen. Was ist passiert? Lawton beschreibt das Phänomen als „Signalisierungsproblem“. Arbeitgeber sind sich nicht über die für eine Aufgabe erforderlichen Kompetenzen im Klaren, oder sie sind nicht in der Lage, diese in einer Stellenausschreibung deutlich zum Ausdruck zu bringen. Gleichzeitig gelingt es Arbeitssuchenden nicht, ihre eigenen relevanten Fähigkeiten zu identifizieren.

„Wir müssen herausfinden, wie wir die Kommunikation zwischen diesen beiden Seiten des Arbeitsmarktes verbessern können“, so Lawton.

Zu dieser Schlussfolgerung gelangte auch eine Untersuchung in Spanien, die im Jahr 2012 im Economics of Education Review erschien. Arbeitgeber und Universitätsabsolventen wurden aufgefordert, 19 wesentliche Kompetenzen zu priorisieren, die für eine erfolgreiche Stellensuche erforderlich sind. Die Ergebnisse zeigen klare Diskrepanzen auf.

Arbeitgeber bewerteten die Fähigkeit zur „Problemlösung“ als viertwichtigste Kompetenz, während sie bei den Universitätsabsolventen den 17. Platz erhielt. Ähnlich sah es bei der „Fähigkeit zur Anwendung des Wissens in der Praxis“ aus: Platz 8 bei den Arbeitgebern, Platz 18 bei den Universitätsabsolventen.

Universitätsabsolventen wiesen der „Fähigkeit zum eigenständigen Arbeiten“ und den „zwischenmenschlichen Fähigkeiten“ einen hohen Stellenwert zu, während dies nach Ansicht der Arbeitgeber schlicht grundlegende Fähigkeiten sind.

Was Arbeitgeber von einem qualifizierten Arbeitssuchenden wünschen (und erwarten), entspricht also nicht dem, was Arbeitssuchende für wichtig halten.

„Qualifizierte Arbeitssuchende identifizieren nicht die Fähigkeiten, über die sie verfügen und die den Anforderungen der Arbeitgeber entsprechen, und Arbeitgeber identifizieren und nennen in den Stellenausschreibungen nicht deutlich genug, was sie von den Bewerbern erwarten“, sagt Lawson.

Für Stellenportale ist ein Mangel an qualifizierten Bewerbern ebenso problematisch wie Benutzer, die ihre relevanten Fähigkeiten nicht (er)kennen. Arbeitgeber und Personalvermittler, die keine geeigneten Bewerber finden, erzielen einen geringen ROI für ihre Stellenausschreibungen. Das bedeutet, dass sie weniger geneigt sind, das Stellenportal erneut zu nutzen, und stattdessen auf anderen Wegen Personal beschaffen.

Gleichzeitig bedeutet eine Qualifikationslücke oder Qualifikationsdiskrepanz, dass Arbeitssuchende sich von Stellenportalen abwenden, auf denen sie keine Angebote finden, die zu ihren Fähigkeiten passen.

Was ist die Lösung? Stellenportale und Personalvermittler können helfen, indem sie Arbeitgeber bei der Bestimmung der erforderlichen Fähigkeiten und der Auswahl der Bewerber unterstützen. Das bedeutet, dass Bewerbungen nicht automatisch abgelehnt werden, wenn sie nicht in allen Punkten der Ausschreibung entsprechen.

„Arbeitgeber müssen sich darüber im Klaren sein, welche Fähigkeiten die Mitarbeiter wirklich benötigen“, erklärt Lawson. „Wir haben eine lange Rezession hinter uns, während der Sparmaßnahmen überlebenswichtig waren, sodass Unternehmen kaum in das Personalwesen investiert haben. Entsprechend haben Arbeitgeber unzureichende Ressourcen für die Zuordnung des richtigen Bewerbers zur richtigen Stelle veranschlagt. Das muss sich nun ändern.“

Schulungen sind unerlässlich, um Arbeitssuchende auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Selbst wenn Bewerber noch so viele Kompetenzen vorweisen können: Wo diese den Anforderungen der Arbeitgeber nicht entsprechen, hilft nur eine entsprechende Weiterqualifizierung. 

Stellenportale sind optimal positioniert, um Bewerbern die Möglichkeit zur beruflichen Entwicklung und zum Aufstieg zu bieten. Selbst Bewerber, die keine Weiterbildung in Betracht ziehen, erhalten durch eine Anzeige für den perfekten Kurs während der Suche nach einer neuen Stelle vielleicht den Anstoß, den sie brauchen, um ihre Karriere durchzustarten.

Die Umschulung der Arbeitskräfte, eine bessere Kommunikation und ein besseres Verständnis der erforderlichen Fähigkeiten könnten alle dazu beitragen, dass die richtigen Bewerber die richtigen Stellen finden. Dies wiederum trägt zum Abbau des derzeitigen Fachkräftemangels und somit zum weiteren Erfolg Ihres Stellenportals bei.

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