„Großbritannien vom schlimmsten Fachkräftemangel seit 30 Jahren betroffen“

„Fachkräftemangel bremst Erholung der britischen Wirtschaft aus“

Aktuell liegt die Arbeitslosenquote in Großbritannien im Durchschnitt bei rund 5,5 %; der Norden und Osten Englands haben allerdings eine Arbeitslosenquote von 8,5 % zu verzeichnen.

Diese Zahlen sind zwar niedrig und stabil, dahinter stehen jedoch 1,81 Millionen Menschen ohne Arbeit in diesem Land. Gleichzeitig wird in den Medien ein düsterer Ton angeschlagen, wenn Schlagzeilen vor dem landesweiten Fachkräftemangel und seinen negativen Auswirkungen auf Unternehmen und die Produktivität in Großbritannien warnen.

Wenn es einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften gibt, setzt dies einen Dominoeffekt auf die Löhne in Gang, denn Arbeitgeber erhöhen die Gehälter, um für dringend gesuchte Bewerber attraktiv zu sein. Hinzu kommt, dass die Produktivität hinter die der europäischen Partner zurückfällt und die Wirtschaft noch stärker leidet.

Was ist die Ursache des Fachkräftemangels?

Die Meinungen zu den Ursachen des Fachkräftemangels sind geteilt. Wie die Mode kann auch die Nachfrage nach einer bestimmten Branche Schwankungen unterworfen sein. In anderen Fällen werden bestimmte berufliche Aufgaben (sprich Leute) nicht mehr gebraucht, durch Maschinen oder einfach durch eine billigere, schnellere und einfachere Software ersetzt.

Wenn die Belegschaft beginnt, mehr soziale Leistungen und gleiche Bezahlung zu fordern, reagieren Arbeitgeber außerdem eher langsam auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter und finden daher wenig Bewerber, um frei gewordene Stellen neu zu besetzen.

Auch demografische und wirtschaftliche Veränderungen können maßgebliche Ursachen für fehlende Talente sein. In den letzten Jahren ist die Zahl der Ausbildungsverhältnisse in Großbritannien gesunken. In Verbindung mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten und schlecht bezahlten Praktika sind die übrig gebliebenen Lehrstellen einfach nicht mehr für die richtigen Bewerber attraktiv.

Die Bedürfnisse der Arbeitgeber

Im heutigen schnelllebigen Umfeld haben Arbeitgeber nicht immer die Zeit oder die Mittel, um Anfänger in den Qualifikationen aus- oder weiterzubilden, die für einen reibungslosen Geschäftsbetrieb nötig wären. Dies kann dazu führen, dass sie wählerischer werden. Das ist an sich nicht schlecht, aber wenn Bewerber ausgeschlossen werden, die noch nicht über die entsprechende Erfahrung, jedoch über das nötige Potenzial verfügen, ist das bedauerlich.

Ein anderes Einstiegsniveau

Zu Recht oder zu Unrecht wird ein Hochschulstudium oft immer noch als die beste Form der Ausbildung angesehen. Einige argumentieren, dass der traditionelle Weg durch das Bildungssystem veraltet sei und dass Branchenführer kaum Einfluss auf den Inhalt der Lehrveranstaltungen hätten.

Wenn 40 % der Absolventen britischer Universitäten 6 Monate nach ihrem Studienabschluss immer noch auf der Suche nach einem Job sind, dann sind die einschlägige Erfahrung und ein Feedback der Arbeitgeber wichtiger denn je.

Wenn berufliche Ausbildungswege für ein bestimmtes Gebiet als ebenso relevant wahrgenommen würden und die gleiche Wertschätzung erführen wie der akademische Weg, könnte dies neue Möglichkeiten eröffnen. Wenn der Berufserfahrung und übertragbaren Qualifikationen dort, wo dies möglich ist, eine gleich hohe Bedeutung beigemessen würde, könnten Arbeitgeber zudem eine Belegschaft aus professionellen Mitarbeitern mit einem breiteren Hintergrund erhalten.

Die Regierung stellt seit einiger Zeit Mittel für Praktika bereit, um die Qualifikationslücke leichter schließen zu können. In Sektoren, in denen diese Lücke besonders groß ist, fordern Arbeitgeber jedoch ein stärkeres Mitspracherecht. Arbeitgeber können selbst am besten die Anforderungen für die von ihnen angebotenen Arbeitsplätze festlegen. Folglich müssen sie in die Erarbeitung der Regelungen für diese Praktika eingebunden werden. Nur so legen sie das Fundament dafür, die richtigen Bewerber, Qualifikationen und Erfahrungen für die verfügbaren Arbeitsplätze zu bekommen.

Auch Stellenportale und Personalvermittler können einen Beitrag leisten, indem sie Arbeitgeber dabei unterstützen, den richten Bewerber zu finden und nicht einfach jeden Kandidaten abzulehnen, bei dem, zumindest auf den ersten Blick, nicht alle Kästchen richtig angekreuzt sind.

Es heißt, dass Arbeitgeber nicht davor zurückschrecken sollten, für die Weiterbildung ihrer Leute zu bezahlen, damit diese nicht zu einem anderen Unternehmen wechseln. Sie sollten sich eher Gedanken darüber machen, was passiert, wenn sie bleiben, ohne weitergebildet zu werden.

Nur wenn Arbeitgeber erkennen, dass sich die Investition in die Ausbildung des beruflichen Nachwuchses lohnt, lässt sich die Qualifikationslücke weiter schließen.

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